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Das Konzept der Alternative bei Benjamin, Horkheimer und Adorno

24 ALTERNATIVE
Rath

Was ist eine Alternative? Das Grimmsche Wörterbuch führt die Stichworte ‘Alternative’ oder ‘alternativ’ nicht an, ebensowenig finden sie sich im Historischen Wörterbuch der Philosophie. Der Duden bietet eine erste Bedeutungsklärung. Eine Alternative ist demnach eine „Entscheidung zwischen zwei [oder mehr] Möglichkeiten”; sodann eine „Möglichkeit des Wählens zwischen zwei [oder mehreren] Dingen”; schließlich „eine von zwei oder mehr Möglichkeiten”. Der Duden Etymologie gibt über die Bedeutung und Herkunft des Wortes Alternative folgende Auskunft: Im 17. Jh. aus gleichbedeutend frz. alternative entlehnt. Frz. alterne ist abgeleitet aus lat. alternus „abwechselnd; wechselweise”. Zum Wortfeld gehört lat. alter ‘der eine von zweien, der andere’. Ursula Hermann leitet die Herkunft von ‘Alternative’ aus dem mittellateinischen Ausdruck alternativus ‘zweideutig’ ab und bringt es mit lat. alternare ‘abwechseln’ in Verbindung.

Was sagt die Entscheidungstheorie zum Thema Alternative? „Ein Individuum (bzw. eine Gruppe von Individuen), der Entscheidende, befindet sich in einer Situation, in der ihm gewisse Handlungsweisen zur Wahl offenstehen, von denen er genau eine ergreifen muß und aus der sich eine von mehreren möglichen Folgen ergibt. Der Entscheidende besitzt im allgemeinen keine vollständige Kontrolle über die Faktoren, die die Folgen (das Ergebnis) bestimmen”.

Niklas Luhmann gibt eine unterscheidungstheoretisch ansetzende Bestimmung: „Alternativen sind besondere Arten von Unterscheidungen. Sie sehen, wie jede Unterscheidung, zwei Seiten vor, setzen aber voraus, dass beide Seiten der Unterscheidung erreichbar sind, also beide Seiten bezeichnet werden können“. Luhmann knüpft die Möglichkeit von Entscheidung überhaupt an das Vorhandensein einer Alternative: „Aber ohne Alternative gäbe es auch keine Entscheidung; nur die Alternative macht die Entscheidung zur Entscheidung“.

Verdeutlichen lässt sich Luhmanns Modell am Beispiel eines modernen Parlaments. Christoph Möllers führt aus: „Das Parlament soll einen Raum der politischen Auseinandersetzung bieten, in der sich die Einheit aus Mehrheit und Regierung präsentiert und oppositioneller Kritik stellt“. Im britischen Unterhaus beispielsweise sitzen Regierung und Opposition einander gegenüber. Bei einem Regierungswechsel tauschen sie die Plätze, bleiben aber buchstäblich im gleichen Raum der Entscheidungsfindung. Entscheidungen werden in der Regel zwischen Vorschlägen und Gesetzentwürfen der Regierung und der Opposition getroffen. Die Parlamentsdebatten formulieren Argumente und Entscheidungskriterien für und wider. Der Oppositionsführer ist als personelle Alternative zum Regierungschef in den Debatten immer präsent. Ohne Opposition wäre dieses System der Entscheidungsfindung nicht komplett. Das Vorhandensein einer Opposition ist also systemrelevant, es stellt sicher, dass Alternativen zum Regierungshandeln benannt, begründet und gegebenenfalls umgesetzt werden können. Schwierig wird es dann, wenn keine der konkurrierenden Seiten eine Mehrheit zusammenbringen kann. Das auf politische Alternativen und dem durch sie ermöglichten Wechsel von Funktionsträgern und Entscheidungseliten aufgebaute System verliert dann einen Teil seiner Funktionsfähigkeit.

Das Konzept der Alternative bei Benjamin, Horkheimer und Adorno

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24 ALTERNATIVE dicembre, 2019 - Autore:  Condividi

 

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